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Orient Express

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25.8.2005 | Kommentare (0)

 

Mag. Astrid Strießnig - Verein Orient Express (3202 Besucher)

Astrid Strießnig engagiert sich seit Jahren für Migrantinnen im Verein Orient Express und kennt die Probleme und Benachteiligungen von Frauen aus der täglichen Praxis. Den anfänglichen Idealismus, die Welt umzukrempeln, hat sie in dieser Form nicht mehr. Es geht vielmehr darum, den Fokus auf individuelle Lebenssituationen von Frauen zu richten und Schritt für Schritt für eine verbesserte Lebenssituation zu arbeiten.

Wie alt sind Sie?
41 Jahre

Seit wann arbeiten Sie im Stuwerviertel?
Ich arbeite seit 1994 im Verein Orient Express, den 1988 türkische Frauen gegründet haben.

Wo sind Sie geboren?
In Waiern, Kärnten.

Erklären Sie Ihren Aufgabenbereich.
Ich mache die Koordination der EDV- und Deutschkurse inklusive der Abwicklung der ÖSD-Prüfungen (staatlich anerkannte Deutschprüfung). Weiters habe ich den Finanzbereich von der Planung über Abwicklung bis zur Endkontrolle über und bin für die Vernetzung und das Berichtwesen verantwortlich.

Womit starten Sie den Tag?
Email abrufen

Wann beginnen Sie morgens mit der Arbeit?
Um 9 Uhr

Wie würden Sie mit eigenen Worten ihre Firma, für die Sie arbeiten, beschreiben?
Eine gemeinnützige Beratungs- und Betreuungseinrichtung für Frauen mit migrantischem Hintergrund. Die Beratungen finden in den Muttersprachen Arabisch, Türkisch, Englisch oder Deutsch statt. Weiters bietet der Verein Kurse für Frauen aller Länder inklusive Kinderbetreuung an. Ziel ist es, mit den Frauen gemeinsam die individuellen Lebensbedingungen zu verbessern bis hin zur Anleitungen, Aufgaben selbstständig zu erledigen, soweit das die jeweiligen Strukturen zulassen. Orient Express ist eine im Sinne der Frauen parteiische Frauenservicestelle.

Auf folgende Schwerpunkte haben wir uns aus Kapazitätsgründen beschränkt:

  • Gewaltprävention
  • Intensivbetreuung
  • Generationenkonflikte von weiblichen Jugendlichen. Derzeit arbeiten wir am Projekt: Gegen Zwangsheirat, das die 2. Generation Frauen betrifft, die in Österreich leben.
  • Betreuung von Frauen, die von Genitalverstümmelung (FGM) betroffen sind. Die Frauen kommen vorwiegend aus Ägypten, dem Sudan und dem mittleren Osten.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren KollegInnen?
Respektvoll. Wir sind ein gleichberechtigtes Leitungsteam von fünf Mitarbeiterinnen. Die Kurstrainerinnen sind freiberuflich tätig, die Kinderbetreuung und die Putzfrau sind geringfügig angestellt.

Was kann Sie in Rage versetzen?
Bürokratie, die nicht zielgerichtet ist; pauschale Vorurteile; Sippenhaftung im Sinne von Clandenken

Verraten Sie uns eine Marotte/ Eigenheit?
Im Laufe des Tages verteile ich sicher fünf halb ausgetrunkene Kaffeehäferl im Büro, die ich immer irgendwo vergessen habe.

Was möchten Sie gerne machen, wenn Sie in Ruhestand treten?
Ich gehe nicht Pension und glaube auch nicht, dass es dieses System dann noch geben wird. Mein Alter stelle ich mir so vor: Ich bin eine rüstige, fitte, alte Frau, die ihre Aufgaben macht. Als Ältere kann ich viel weitergeben.

Was ist Ihre Arbeitsdevise?
Dass ich das, was ich mache, so gut wie möglich erledige. Dazu gehört auch, dass ich Grenzen akzeptiere, die es gibt. Dann kann ich die Arbeit auch loslassen.

Was erwarten Sie sich von Ihren KollegInnen?
Hohen Einsatz; mehr Konfliktfreudigkeit und Konfliktfähigkeit, ohne dass Gefühle kommen, nicht miteinander arbeiten zu können.

Welche Bedeutung hat Arbeit für Sie?
Mich hat die Vorstellung in die Richtung gezogen, in der ich jetzt arbeite, dass es in kleinen Vereinen trotz allem noch Basisdemokratie gibt. Ich habe hier Spielraum und Eigenverantwortung. Der Einsatz für Frauen ist mir wichtig. Wir sind in Österreich weit weg von einer Gleichstellung. Die patriarchale Struktur ist nach wie vor in den Köpfen gespeichert. Das gilt besonders für die Migrantinnen, aber auch für hier geborene Österreichinnen.

Welches ist Ihr elektronisches Lieblingsgerät?
Geschirrspüler

Wieviel Stunden verbringen Sie täglich mit Arbeit?
Seit Juli 2005 bin ich für 40 Stunden/Woche angestellt. Der Vertrag ist aber befristet und es wird sicher wieder weniger.

Welche Bedeutung hat Geld für Sie?
Ohne Geld geht nichts. Ich glaube aber nicht, dass jede Leistung mit Geld bezahlt werden müsste. Aber wenn Geld das Konzept ist, möchte ich genug davon haben, um davon leben zu können. Im Privatleben praktiziere ich Tauschhandel.

Waren Sie schon einmal arbeitslos?
Ich war schon mehrmals arbeitslos - es gab Phasen ohne AMS-Bezug und Phasen mit AMS-Bezug. Das kam daher, dass ich viele Jahre unangemeldet gearbeitet habe. Nach einer gewissen Zeit ist der Druck nach Existenzsicherung immer sehr groß geworden. Lange Arbeitslosigkeit macht Menschen extrem großen Stress.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung in Ihrer Freizeit?
Lesen, Fahrrad fahren, draußen sein, essen gehen, mich mit Menschen treffen - Gespräche führen, nachdenken.

Was wünschen Sie sich für ihre Arbeit?
Ich wünsche mir ein super Büro, bessere Sozialleistungen für unsere Mitarbeiterinnen, unsere Tätigkeitsbereiche auszudehnen und dass der Verein mindestens ein viertel Jahrhundert alt wird.

Welche Angebote benutzen Sie in Wien?
Grünanlagen inklusive dem Stadtrand - Donauinsel, Lobau; kulturelle Angebote - Musik, Theater, Museen, Events; Serviceeinrichtungen der Stadt Wien - die Lebensqualität ist hier sehr gut.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Ziel 2-Wien Programm gemacht?
Was gut an der Erfahrung ist - im Bezirk passiert etwas. Das hat das Bewusstsein für das, was der 2. und 20. Bezirk bieten, angehoben. Die Vernetzung zwischen den Vereinen hat sich verbessert. Schlecht finde ich, wie die Grenzen des Ziel 2-Gebiets festgelegt worden sind. Das ist nicht nachvollziehbar. Die Frage stellt sich, was mit all den begonnenen Projekten geschehen wird, wenn die Ziel 2-Förderung zu Ende geht und: stimmen die Relationen wieviel Geld investiert wurde und kommt es den BewohnerInnen proportional zugute? Schön ist, dass Projekte wie www.ziel2wien.at auch möglich sind.

Was erwarten Sie sich vom Ziel 2-Wien Programm?
Es müssten viel einfachere Möglichkeiten geboten werden, in die Infrastruktur zu investieren, z.B. in Räume von Vereinen. Das Gebiet sollte anders definiert werden. Eine Straßenseite ist im Ziel 2-Gebiet, die andere nicht. Sogar bei Hausstiegen werden Unterschiede gemacht. Die jetzigen Grenzen haben Unfrieden in die Bevölkerung gebracht. Es ist problematisch, wenn die Förderung verschiedene Gruppen ansprechen will und nach komplizierten, unlogischen Kriterien vorgeht.

Wie beurteilen Sie das Viertel/Grätzel, in dem Sie leben?
Es könnte lebendiger sein, es gibt zu wenig Lokale zum Essen. Die Infrastruktur für Leute, die hier arbeiten, ist schwach. Für kleine Geschäfte ist hier nicht einfach zu überleben. Seit ich hier arbeite, ist der Vorgartenmarkt um ein Drittel geschrumpft. Das finde ich schade, er war einmal sehr belebt. Im Grätzel passiert punktuell etwas. Die Altbauten werden Hochpreis saniert und die Mietpreise steigen laufend an. Die Lage an und für sich ist sehr gut. Die Prostitution war für mich hier nie ein Problem.

Geben Sie uns Tipps zu Ihrer nächsten Umgebung im Ziel2-Gebiet (Lokale, Geschäfte, Plätze usw.).
Konditorei Woloschyn - Bananentorte ist ein Gedicht!
Blumenladen Wildwuchs - Ennsgasse
AYCAN-Supermarkt - Vorgartenstraße/Ennsstraße - billig, großes Gemüse- und Obstsortiment
Vorgartenmarkt - das Lebensmittelgeschäft mit der Aufschrift MILCH
Mexikoplatz im Sommer
Kinderschwimmbad am Max-Winter Platz
Trödler im Halbkeller - Stuwerstraße/ Venediger Au
Schuster - Ennsgasse/ Vorgartenstraße: hat Schuhpasten in allen Farben von helltürkis bis hellorange
Zoohandlung am Ilgplatz
Bassena Stuwerviertel

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